Spitzentechnologie/Spiritualität

Zukunft und Vergangenheit

 

Wie eine Zeitreise mutete der Ausflug der 11 BG-1 an, der die SchülerInnen zur hochmodernen Produktionsstraße von Audi sowie in die klösterliche Ruhe nach Maulbronn führte. Erkenntnisse aus dem Wirtschaftskundeunterricht wurden bei Audi lebendig; in Maulbronn ließen sich Bezüge zur Schullektüre, Hermann Hesse „Unterm Rad“, herstellen. Nachfolgend Fotos sowie ein Bericht des Klassenlehrers Dieter Bram.

 

Die Klasse 11 BG-1 begab sich kurz vor den Osterferien nach vielen langen Wochen des Lernens im Klassenraum auf eine Studienfahrt. Dabei erlebten die SchülerInnen  sowohl die faszinierende Welt der Spitzentechnologie in den Produktionshallen von Audi in Neckarsulm
als auch die spirituelle Welt in dem ehemaligen Kloster Maulbronn, das von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde.

 

Zunächst wurde das Automobilwerk von Audi in Neckarsulm angesteuert. Natürlich ist es gerade für SchülerInnen des Beruflichen Gymnasiums mit dem Schwerpunkt Wirtschaft immer besonders interessant, industrielle Produktion auch einmal anschaulich in der Wirklichkeit zu erleben. Wenn es sich dabei noch um die Herstellung von Audis – Automobilen der Premiumklasse – handelt, ist das umso spannender.

 

Dass sich das Werksgelände von Audi Neckarsulm entlang des Neckars über eine Länge von drei Kilometern erstreckt, war schon sehr beeindruckend. Dass sich aber auf dem riesigen Werksgelände nur sehr wenige Lagerhallen befinden, führte den Schülern vor Augen, was Just-in-time-Produktion bedeutet. Denn neben der Anlieferung von Produktionsteilen mit der Bahn passieren täglich 700 LKWs das Werkstor und liefern Teile für die Produktion an. Da konnte sich Luca nicht die Bemerkung verkneifen, „Jetzt könne er sich  auch den LKW-Stau auf der A 6 erklären, den wir gerade erlebten!“

 

Besonders interessant war es auch, einige der 1000 Roboter zu erleben, die im Karosseriebau täglich 1200 Audis fertigen. Menschen waren kaum zu sehen. Automatisierte Fertigung ist hier ein Begriff von gestern. Digitalisierung ist längst Realität. Dreidimensionale Vermessung der Karosserien und hochqualifizierte Spezialisten, die mit Laptops und speziellen Programmen den Produktionsprozess begleiten und nur im Störfall sofort eingreifen, prägen die Wirklichkeit in den Hallen.

 

Als es um die Motoren ging, wurden die SchülerInnen besonders hellhörig. Neben Fragen zu dem Dieselskandal ging es auch um die Antriebstechnologie der Zukunft. Annika bekam auf ihre Frage, welche Technologie sie sich denn kaufen solle, um nicht in der Zukunft so dazustehen, wie jetzt die FahrerInnen vieler Dieselautos, die Antwort, dass der Forschungsschwerpunkt auf Brennstoffzellen liege, also Antrieb durch Wasserstoff.

 

Der anschließende Besuch des fast 900 Jahre alten Klosters Maulbronn war dann eher eine Reise in die Vergangenheit. Die Informationen aus der 400jährigen Epoche der Zisterziensermönche und deren Lebensalltag haben die SchülerInnen stark beeindruckt. Das eigene Leben aufzugeben und nur für Gott und den Glauben zu leben, ist in der heutigen Konsumwelt kaum noch vorstellbar.

 

Sehr interessant fanden die Schülerinnen auch, dass wegen der gleichzeitigen  Anwesenheit von Mönchen und Laienbrüdern im Kloster viele Einrichtungen wie Kirche, Speisesaal usw. doppelt vorhanden sind. Die Reformation und das Bekenntnis des Landesherrn zum evangelischen Glauben führte zur Auflösung des Klosters und der nun auch fast 500jährigen Geschichte der Klosterschule Maulbronn.

 

 

Hier setzte dann der Bezug zu Hermann Hesse ein.
Der im Unterricht gelesene Roman „Unterm Rad“ von Hermann Hesse spielt überwiegend in der Klosterschule, die der 14jährige Hesse selbst 7 Monate lang besuchte. Gerade die Gedichte, die der junge Hesse an ausgesuchten Plätzen im Kloster verfasst hat und seine Möglichkeit waren, dem für ihn schwer zu ertragenden Schulalltag zu entfliehen, vermittelten einen ganz eigenen Blick  auf das Kloster.